VW T4 und offroad? Unterfahrschutz, Schnorchel und Co

Mit dem Bulli nach Marokko durch die Sanddünen? Wilde Pfade in Rumänien oder gar eine Reise in die Mongolei? Mit ein paar kleinen Einschränkungen kann man seinen T4 zu einem passablen Pistenfahrzeug machen und auch mit dem Fronttriebler geht mehr als so mancher denkt. Ein T4 wurde nicht entworfen um als echter Geländewagen zu funktionieren, das sollte man sich indes von Anfang an klar machen. Was braucht man nun um ein Geländefahrzeug zu sein und was geht davon mit dem T4?

  • Bodenfreiheit: Wichtig um über Hindernisse zu kommen und Fahrrinnen zu benutzen. Verbessert sowohl Rampen- als auch Böschungswinkel und ermöglicht eine bessere Verschränkung. Den T4 kann man, je nach dem was man seinen Antriebswellen zumuten möchte, 30 – 45 mm höher legen. Durch die Umrüstung auf größere Reifen kommen noch mal bis zu 25 mm dazu. 5 cm höher sind schon ein Wort, das werdet ihr sehen, wenn ihr mal zwei so Bullis nebeneinander seht.
  • Verschränkung: Diese ist bei Kastenwagen naturgemäß schlecht, zudem hat der T4 keinen Leiterrahmen der sich verwinden kann. Alle Kräfte werden direkt durch die Karosserie aufgenommen. Bedenkt dies, wenn ihr mit „einem Beinchen“ in der Luft steht. Das Foto wird zwar spektakulär, aber mit ein bisschen Pech ist danach eure Karosse verzogen. Außer der Höherlegung ist da nichts zu machen.
  • Böschungswinkel: Böschungswinkel und Rampenwinkel bestimmen wie steil eine Erhöhung sein darf, damit ihr herauf oder herunter kommt und wie spitz ein Hügel damit ihr in der Mitte nicht aufsetzt. Neben der Höherlegung kann man die vordere Stoßstange ersetzen, z.B. durch eine Lösung von Eljot Engineering oder man wählt die günstige Variante und schneidet den Stoßfänger aus Plastik einfach ab. Dadurch wird der Überhang (siehe Zeichnung) kleiner und der Böschungswinkel verbessert sich. Die kommerzielle Variante verlangt nach einem Einzelgutachten nach Paragraph 21 beim TÜV oder der DEKRA.
Böschungswinkel
beachtet die Zeichenkünste 😉
  • Neigungswinkel: Um so tiefer der Schwerpunkt eines Wagens und um so breiter die Spur, um so später kippt man nach links oder rechts um. Der T4 hat einen recht hohen Schwerpunkt im Vergleich zu normalen PKW, der Syncro etwas tiefer durch Kardanwelle etc.. Insgesamt ist der Kippwinkel aber gar nicht so schlecht. Lagert aber schwere Sachen lieber am Boden und bringt auch Wassertanks und Ähnliches tief an. Außerdem kann man an Vorder- und Hinterachse die Spur um ca. 4 cm pro Achse verbreitern, es gibt diverse Angebote im Netz. Einfach zu montieren und mit ABE für die Serienbereifung. Habt ihr eine andere Bereifung eingetragen, dann müsst ihr den AAS (amtlich anerkannten Sachverständigen) eures Vertrauens aufsuchen.
  • Traktion: Gute AT – Reifen bringen euch hier richtig nach vorne und wohl dem, der einen Syncro fährt, der Allrad bringt manchmal das nötige Quentchen mehr Vortrieb. Aber auch wenn nicht alle Achsen mit dem Motor verbunden sind, mit dem 2WD und guten, größeren Reifen seid ihr stabil aufgestellt. Die Größen 215 75 r15, 225 70 r15 und 235 60 r16 sind die Klassiker. Ihr wäret übrigens nicht die ersten die ihren Frontrieb-Bulli syncronifizieren, dazu weiter unten zwei Links. Zur Sicherheit solltet ihr aber auch Sandbleche oder Waffleboards zu eurem Equipment zählen. Seht auch mal hier: Link.
1995
Noch gröber als das All Terrain (AT) Profil ist das Mud Terrain (MT)
  • Untersetzung / Geländegang: Echte Geländefahrzeuge haben ein Splitgetriebe um die Übersetzung zu verändern oder einen Geländegang mit niedriger Übersetzung. Damit hat man je nach Situation mehr Traktion und kann langsamer fahren. Insbesondere bergab ein großes Sicherheitsplus. Außerdem zieht das Fahrzeug mit mehr Kraft. Für unsere Bullis bieten Eurotuning in Prag und CKR Fahrzeugtechnik in Lugau Lösungen an, zum Beispiel mit 6-Gang Getriebe. Das sind aber individuelle und teure Umbauten. Auch eine Anfrage bei Frank Booten könnte sich lohnen.
  • Differentialsperren: Diese Helfer schalten die Funktion von Differentialen ab und führen dazu, dass sich die Achse wie eine Starrachse verhält. So bekommen beide Räder fest je 50 % der Kraft ab. Das hilft, wenn eines der Beiden Räder Schlupf bekommt oder in der Luft hängt. Den Syncro gibt es mit und ohne Differentialsperre für die Hinterachse, zu erkennen am Panel im Fahrerhaus unter der Lüftungsbedienung. Für eine Sperre an der Vorderachse muss man bei Eurotuning wieder eine schöne Stange Euros berappen. Über den Sinn und Unsinn von Sperren spalten sich die Meinungen, ich plädiere klar für Sperren.
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Hinterachsgetriebe mit Freilaufsperre
  • Wattiefe: Will man nach Island oder anderswo Bäche und Flüsse durchqueren, ist es sinnvoll die kümmerliche Wattiefe von 35 cm beim T4 zu verbessern. Hierfür müssen allerdings einige Umbauten vorgenommen werden. Pflichtprogramm ist es, die Getriebeentlüftungen zu verlagern und die Luftansaugung mittels Schnorchel höher zu legen. Diverse weitere Maßnahmen sorgen für Schutz von Kupplung, Motorsteuergerät, Lichtmaschine, Fanfare und anderen Undichtigkeiten. Hierzu das T4 Forum konsultieren oder hoffen, dass ich bald dazu komme einen eigenen Artikel zu verfassen 🙂 Möglich sind bei unseren Bullis dann, für Mutige, bis zu 80 cm Wattiefe. Für den Schnorchel braucht es dann auf jeden Fall eine Bastellösung.
  • Unterfahrschutz: Wichtige Teile sind Motor, Tank, Kardanwelle und Hinterachsgetriebe. Für Motor, Tank und Hinterachse gibt es kommerzielle Lösungen zum Beispiel bei G-Parts oder extrem-fahrzeugtechnik. Im T4 Forum sind aber auch Bullifahrer mit individuellen Lösungen unterwegs. Die günstigste Lösung für den Motor mit 2 mm Stahlblech findet ihr hier: Link. Sehr einfach selbst zu montieren.
2001
2 mm Stahl Unterfahrschutz ist ein Anfang, 3mm sind auch erhältlich
  • Sonstiges: Ob die kommerziell erhältlichen Bullenfänger etwas taugen ist fraglich, außerdem behindern sie teilweise den Böschungswinkel. Stahlprofile als Rockslider an den Seiten oder als Schutz für die Kardanwelle bleiben dem individuellen Bastelspaß vorbehalten, können aber insbesondere beim langen Radstand sinnvoll sein. Eine Umrüstung auf die elektronische Haldexkupplung vom 4motion System wurde mehrfach gemacht und ersetzt das etwas weniger empfindliche viskoelastische Syncrosystem.

Mit dieser Aufzählung erhebe ich zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber man kann sehen, dass man viel Zeit und Geld in seinen fahrenden Liebling stecken kann um ihn „offroadiger“ zu machen. Ob sich das lohnt könnt nur ihr selbst beurteilen. Auf jeden Fall kann man viel erreichen und dem T4 zu erstaunlichen Leistungen abseits der normalen Wege bringen. Bei Fragen meldet euch gerne.

 

Gute Adresse bei Fragen zu dem Thema ist das T4 Forum, da gibt es auch einen Syncrobereich mit vielen alten Hasen. Denkt daran, in einem Forum zunächst die Suchfunktion zu benutzen 😉 Die Jungs von Syncroexplorer zaubern aus euren 2WD auch einen 4WD, anfragen lohnt sich, auch für andere Syncrothemen. Hier mal ein Beispiel von jemandem, der das selbst gemacht hat: Greenbulli. Zum Schluss noch ein Augenschmaus für alles Syncroliebhaber:

Youtube: T4 offroad edition

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